| Der Tag begann wie gewöhnlich noch vor dem ersten Hahnenschrei. Die Zimmer mussten geputzt werden, der Boden musste geschrubbt werden, die Wäsche musste gewaschen werden und es fanden sich auch sonst immer Arbeiten, die sie bis zum Abend beschäftigt hielten. Erst dann begann das große Treiben, wenn zwielichte Personen aller Art die Schenke füllten um ihre schmutzigen Geschäfte abzuwickeln, ihr Geld beim Würfel- oder Kartenspiel zu verprassen, oder um sich einfach nur mal wieder voll laufen zu lassen. Miranda musste Gäste bedienen und sich nebenbei ums Geschirr kümmern, was zwischen all den Trunkenbolden alles andere als ein Vergnügen war. Wie sie es verabscheute ihre Blicke auf sich zu spühren, ihr widerliches Grinsen wenn sie ihnen das Bier brachte und die gelegentlichen Versuche sie zu begrapschen. | ![]() |
Nur zu gern wäre sie in solchen Momenten weg gerannt ... einfach nur weg. Aber wohin sollte sie schon? Die Schenke war der einzige Ort an dem sie ein Bett und etwas zu Essen hatte, was in diesen schweren Zeiten schon viel Wert war. Der Wirt welcher sie vor vier Jahren aufgenommen hatte, war zwar ein gemeiner großer Kerl, breit wie ein Schrank und schlug sie auch dann und wann, doch wenn alle Arbeiten nach seiner Zufriedenheit gemacht wurden, ignorierte er sie meist und sie musste keine Schelte fürchten. An diesem Abend aber waren die Gäste besonders schlimm und Miranda musste sich zusammenreißen um all das ein erneutes Mal über sich ergehen zu lassen. Als sie in dieser Nacht in ihrem kleinen Holzbett lag, konnte sie ihre Tränen nicht länger unterdrücken und schluchzte leise in ihr Kissen. |